Internationales JugendKunst- und Kulturhaus Schlesische27

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WOHNWUT

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Mehr Informationen findest Du hier:

wohnwut

Die WOHNGUT-Charta

Zum Ende des jugendpolitischen Kunst-Festivals JUNIPARK! verfassen 200 jungen Akteur/innen eine WOHNGUT-Charta, in der sie ihre Anliegen, Ideen und Angebote an die Berliner Politik formulieren.

Berlin, 29. Juni 2014

river house

River House, Serbia; photograph by Irene Becker, My Shot; Quelle: national geographic

 

Liebe Berlinerinnen und Berliner,

wann sind Sie von zu Hause ausgezogen? Wie schnell haben Sie eigenen Wohnraum gefunden und wo wohnten Sie? Am ruhigen Stadtrand oder mitten in einem Kiez, wo das Leben pocht?

Berlin soll eine Stadt für ALLE bleiben, überall, nicht nur in den Randzonen – da sind wir uns alle einig: Jugendliche, die sich an der wohnwut-Umfrage beteiligt haben und die jungen Akteure im JUNIPARK! Wir haben uns daher auf zehn Punkte geeinigt, die wir allen ans Herz legen, insbesondere den Politikerinnen und Politiker unserer Stadt:

1. BeBerlin möchten wir gerne an die Politik zurückgeben, wenn aus dem Logo kein Auftrag wird: Liebe Abgeordnete, denken Sie von der Vielfalt aus und schaffen Sie die Rahmenbedingungen dafür, dass wir alle Berlin-sein- und auch in Berlin wohnen können. Rund 30% unter den 25Jährigen leben in unserer Stadt in Armut, bitte tun Sie etwas dagegen!

2. Nicht nur 60.000 Neuzuzügler brauchen Wohnungen in Berlin, ebenso sind viele junge Menschen auf der Suche! Wir brauchen dringend Wohnungen für Azubis, Studenten, Flüchtlinge, junge Leute mit Hartz IV: ohne Bürgschaftspflicht oder Einkommensnachweise, wenigstens in Wohnungen städtischer Wohnbaugesellschaften.

3. Junge Erwachsene sollen nicht zu Hause sitzen bleiben müssen, wenn sie ausziehen und selbständig werden wollen. Wir fordern Wohnraum mit Mietanpassung zu unseren niedrigen Einkommen, zu Bafög, Azubigehalt, Hartz IV.

4. Leerstand sollte für Instandsetzungsprojekte mit jungen Menschen zur Verfügung gestellt werden und nicht für Immobilienspekulationen von Investoren.

5. Das Recht auf angemessenes Wohnen ist in Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Die städtischen Wohnbaugesellschaften sollen den Kurs ändern, zurück zur Genossenschaft oder anderen gemeinschaftlicheren Formen. Wohnen ist ein Sozial- und kein Wirtschaftsgut.

6. Landeseigene Immobilien müssen für öffentlichen Wohnungsbau, privatisierte Immobilien zurückgekauft werden. Wir wollen uns nicht länger vom Geld regieren lassen. Wohnraum-Notstand und Immobilienkrise sind selbstgemachte Fallen, wenn Spekulanten mit den Gütern der Bevölkerung um die Wette pokern!

7. Wir wollen uns nicht mit Scheinargumenten für Wohnungsnot zufrieden geben. Politik darf sich nicht auf den von den Medien ausgemalten Erzählungen über Gentrifzierung ausruhen. „Einfach Laufenlassen“ führt zu Hass und Missgunst unter den Bürgern. Verdrängungsprozesse können gesteuert und korrigiert werden, sie werden nicht alleine vom Lifestyle von Personengruppen verantwortet.

8. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung soll uns dabei unterstützen, WOHN-GUT-Gemeinschaften zu gründen: zwischen WGs und Flüchtlingen, zwischen Senior/innen mit zu großem Wohnraum und jungen Menschen, Umzugshilfen und Tauschringe könnten hierfür aktiviert werden.

9. Der öffentliche Raum muss uns allen gehören, er ist unsere wichtigste „Wohnung“, …so zu sagen das „gemeinsame Wohnzimmer“: das heißt, trotz Verdichtung in der Stadt müssen Plätze, Brachen und Parks erhalten und die Zugänge zu Gewässern öffentlich bleiben!

10. Berlin soll das kreative Potential der Bewohner/innen nutzen und insbesondere auch Jugendliche in Stadtplanungsverfahren aktiv einbeziehen. Ganz neue Wohnformen können entstehen – wir sind dabei!

Unser Festival schließt heute die Tore, doch unser WOHNGUT-Engagement geht weiter, gerne kommen wir mit Ihnen ins Gespräch.

Grüße aus dem JUNIPARK!

stellvertretend für die jungen Projektakteure: Jonas Braun, Anna von Glasenapp, Anina Gröger, Anna Maier von der Aktionsgruppe Die Rederei (Redakteur/innen der WOHNGUT-Charta)

Kontakt: wohngut@schlesische27.de

wohnwut-Peer-to Peer-Umfrage

Der Trailer

Die Sounddokumentation (komplett)

19 Interviewer im Alter zwischen 15 und 28 waren im Zeitraum Juli bis Oktober in allen zwölf Bezirken der Stadt unterwegs, um gleichaltrige Berliner zum Thema „Wohnen in Berlin“ zu befragen. In Parks und Grünanlagen, an U- und S-Bahnhöfen, in Schulen und Unis, in Kneipen und Cafés, in Einrichtungen für Betreutes Jugendwohnen und im Getümmel auf der Straße entstanden knapp 60 Stunden Interviewmaterial und O-Töne. Der Trailer und die 32-minütige Sounddokumentation gewähren einen Einblick in das dokumentierte Stimmungsbild, wie junge Berliner ihre Stadt und die aktuelle Lebens- und Wohnsituation erleben.

Konzept & Redaktion:        Anne Paffenholz

Sounddesign & Schnitt:    Marco Merz (Phlexton Studios)

Die Sounddokumentation nach Kapiteln:

01:      Intro                                       (00:58 min.)

02:      Leben in Berlin                   (06:30 min.)

03:      Urbane Utopien                  (03:22 min.)

04:      Gentrifizierung                    (05:10 min.)

05:      Steigende Mieten               (02:48 min.)

06:      Ausziehen von zu Hause (01:29 min.)

07:      Wohnungssuche                (02:55 min.)

08:      WG-Castings                        (01:17 min.)

09:      Wohnungspolitik                (03:31 min.)

10:      Aktionen                               (04:41 min.)

 

Alle aus der Stadt raus oder: Wem gehört die Stadt? – Die wohnwut-Kampagne der Schlesischen27

Seit Anfang Juli läuft die vom Paritätischen Verband geförderte Peer-to-Peer-Jugendumfrage im Rahmen der wohnwut-Kampagne der Schlesischen27. 19 Interviewer im Alter zwischen 15 und 28 Jahren – Schüler, Auszubildende und Studenten – waren (und sind) in allen zwölf Berliner Bezirken unterwegs, um Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 zum Thema „Wohnen in Berlin“ zu interviewen. Die Interviews fanden in Parks und Grünanlagen, an U- und S-Bahnhöfen, in Schulen und Unis, in Kneipen und Cafés, in Einrichtungen für Betreutes Jugendwohnen und auf der Straße statt. Es entstehen insgesamt etwa 350 Interviews – das heißt ca. 60 Stunden Material an O-Tönen, wie junge Berliner ihre Stadt erleben.

„Im Zentrum gibt es auf jeden Fall eine Wohnungsknappheit. Was ich doof finde oder nicht ideal, ist, dass sich dann so „Viertel“ bilden für die Sozialhilfeempfänger. Ich glaube, es ist nicht so gut durchmischt in Berlin. Ich denke jetzt z.B. an Gropiusstadt. Wo die Leute eher am Stadtrand leben, weil das Zentrum einfach zu teuer geworden ist.“Studentin, 19

Das bisher ausgewertete Material bietet jetzt schon ein sehr komplexes und aufschlussreiches Bild darüber, wie junge Menschen unterschiedlichster Herkunft über Berlin als ihr Zuhause nachdenken. Sie geben Antwort darauf, was ihnen in Berlin gefällt und was nicht, ob Berlin auch die Stadt für ihre Zukunft ist oder nicht, wie sie sich Berlin in zehn Jahren vorstellen, was für sie eine ideale Stadt wäre. Sie berichten von ihren aktuellen Wohnsituationen, ihren Kindheits- und ihren Wunschvorstellungen und warum sie es wichtig finden, irgendwann mal von zu Hause auszuziehen. Sie schildern ihre Erfahrungen bei der Wohnungssuche, berichten von überfüllten Besichtigungsterminen, WG-Massen-Castings und Begegnungen mit Vermietern, Maklern und Konkurrenten. Sie formulieren ihre wohnungspolitischen Wünsche und Forderungen, äußern sich zu Gentrifizierung und Kiezverdrängung und machen sich Gedanken darüber, ob wohnen ein Menschenrecht ist.

„Berlin sollte Berlin bleiben und nicht Hamburg werden.“ – Auszubildende, 21

Bei aller Unterschiedlichkeit der Befragten, was Alter, Herkunft, aktuelle Situation und individuelle Vorlieben angeht: Fast alle Befragten äußern die Beobachtung, dass die Mieten in vielen Berliner Stadtteilen deutlich gestiegen sind, dass die Zahl der Bewerber um freie Wohnungen ebenfalls steigt und dass es für junge Menschen ohne festes Einkommen nahezu unmöglich geworden ist, überhaupt noch eine bezahlbare Wohnung in den „zentralen“ Bezirken (Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln) zu finden. Die Befragten sorgen sich, dass Berlin eine ähnliche Entwicklung machen wird wie Hamburg oder München bzw. Paris oder London. Sie befürchten, dass in absehbarer Zeit kein Platz mehr für sie in Berlin sein wird und die Stadt nur noch für Reiche erschwinglich sein wird. Diese Angst eint Ur-Berliner wie Zugezogene. Das Gefühl, sozial abgehängt und verdrängt zu werden, ist groß.

„Ich finde es unverschämt, dass die Mieten sogar in den Sozialbauten am Kotti so steigen! Das ist krass unverschämt. Berlin wurde halt einfach verkauft. Wowereit hat ganz Berlin verkauft. Wir werden alle ausgenommen. Auf Kosten der Einwohner geht’s dann anderen gut.“Schüler, 18

Das bisher gesichtete und ausgewertete Interviewmaterial der wohnwut-Peer-to-Peer-Umfrage ist ein großer Schatz: Selten bekommt man einen so genauen Einblick in die Lebenswelt heutiger Jugendlicher und junger Erwachsene. Man spricht mit ihnen über das Thema „wohnen“ und wird sofort auf die ganz großen Fragen gestoßen: Wie wollen wir zusammen leben? Wer entscheidet darüber? Welche Rolle spielen junge Menschen in der Gesellschaft von heute? Wie kümmert sich die Politik darum? Wie groß ist die Fürsorgepflicht des Staats und wie groß die Macht des Marktes? Und nicht zuletzt: Wem gehört die Stadt? Wer darf hier sein und wer nicht?

„Ich würde die Pflicht einführen, dass bestimmte Wohnungen im Haus auch für Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtlinge bereitgestellt werden müssen – in jedem Wohnhaus – und ich würde versuchen, die Mieten stark zu regeln und trotzdem natürlich den Vermieter und Mieter zu berücksichtigen, indem man halt schaut, dass beide nicht zu sehr ein Monopol haben.“ – Angestellter, 23

Die Ergebnisse dieser umfangreichen Umfrage sollen einer größeren Öffentlichkeit (Wohnungs- und Jugendpolitik, Wohnungsbaugesellschaften), Jugendverbände, Kultur- und Bildungsinstitutionen für Jugendliche, Presse etc.) präsentiert werden. Wir sind in Vorbereitung einer Broschüre und werden einen Teil der Ergebnisse auch online zur Verfügung stellen, damit dieses wichtige Thema eine möglichst große Aufmerksamkeit erhält. Darüber hinaus bereiten wir weitere Aktivitäten und Kunstaktionen zum Thema „Junge Menschen & Wohnen in Berlin“ vor. Ob dabei auch der von einer Schülerin formulierte Vorschlag realisiert wird, wird man sehen – wir halten Sie auf dem Laufenden!

„Wenn wir einfach keinen Bock mehr haben, könnte man vielleicht mal als Riesenaktion starten, dass einfach mal die ganze Jugend aus Berlin verschwindet. Dann sieht man mal, wie Berlin ohne Jugend aussieht.“ Schülerin, 17

Anne Paffenholz, Projektleiterin der wohnwut-Peer-to-Peer-Jugendumfrage

Mit einer Peer-to-Peer-Umfrage zur Lebens- und Wohnsituation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Berlin startete im Frühjahr 2013 eine Kampagne, die auf einem experimentellen und künstlerisch-aktionistischen Pfad jugendpolitische Forderungen aufgreift und kreative Entwürfe für Jugendwohnen in unserer Stadt entwickelt.

Ausziehen von zu Hause, eine eigene Bude finden oder mit Freunden in eine WG ziehen, das ist der dringliche Wunsch vieler junger Menschen in Berlin. Doch in den letzten Jahren haben sich die Chancen für einen motivierenden Start ins Erwachsenenleben und in Selbständigkeit prekär verengt. Geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden ist zu einem strapazierenden Marathon geworden, viele junge Berlinerinnen und Berliner bleiben entmutigt auf der Strecke.

Wie stellen sich junge Erwachsene Wohnen in der Stadt vor? Welche Utopien haben sie und welche Modelle möchten sie entwickeln? Wie verbinden sich diese Ideen mit gesellschaftlichem Engagement, interkultureller Öffnung und Solidarität unter Jugendlichen? Welche Konzepte für Wohnraumbeschaffung gibt es in Berlin und welche Kräfte könnten neu aktiviert werden? Welche Partner aus Politik und Verwaltung, aus Stadtentwicklung, Jugendhilfe, Wirtschaft, Bildung und Kultur können die Impulse der jungen Berlinerinnen und Berliner aufnehmen und sie unterstützen?

Das Kampagnenprojekt wohnwut eröffnet ein breites Aktions- und Diskussionsterrain zur Problematik des Jugendwohnens im Vorfeld und im Kontext des Deutschen Jugendhilfetages 2014, der vom 03.-05. Juni in Berlin stattfinden wird. Zu der dreitägigen Veranstaltung werden ca. 45.000 Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland erwartet. Dies bietet einen öffentlichkeitswirksamen Rahmen, junge Initiativen zur Mitgestaltung von Stadtentwicklung und Wohnbauplanung in Berlin vorzustellen und Umsetzungswege zu diskutieren.

Das Kampagnen-Projekt wohnwut wird unterstützt von:jfsb_logoJugend Demokratiefonds Berlin

 

der Paritätische Berlin