1978 bis 1988

Die Schlesische27 ist aus den Ideen des 1978 ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerbs „Strategien für Kreuzberg“ hervorgegangen. 1980 wurde die Internationale Bauausstellung (IBA) mit der Konzeption und Umsetzung des preisgekrönten Vorschlags für ein „deutsch-türkisches Jugend- und Kulturzentrum in SO36“ beauftragt. Zwei Jahre später konnte die Initiative in das Haus in der Schlesischen Strasse 27 ziehen, die Adresse wurde zum Namensgeber. Im Rahmen eines EG-Modell-Versuchs konnte 1983 das ursprüngliche Ziel, eine Bildungsstätte für interkulturelles Lernen und Handeln zu schaffen, realisiert werden. Mit dem engagierten Einsatz des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie und dem 1987 gegründeten Förderverein der Berliner Wirtschaft gelang es, das Projekt Schlesische27 längerfristig finanziell zu stabilisieren. In einem bis dahin einzigartigen Modell der Public-Private-Partnership übernahmen das Land Berlin die Basiskosten und die privaten Förderer die Finanzierung der Projekte.

1989 bis 1995

Nach dem Fall der Mauer 1989 knüpften sich schnell Kontakte zu Künstlern und Jugendeinrichtungen im Ostteil der Stadt, und die Schlesische27 entwickelt neue Formen der „Ost-West-Begegnung“. Bereits 1990 erhält dieser Prozess eine internationale Dimension: Frau Hartmann-Fritsch, die Begründerin und damalige Leiterin der Schlesischen27, wird zur Beraterin der Europäischen Kommission im Jugendbereich berufen. Sie wird in Brüssel am Aufbau einer europäischen Jugendpolitik beteiligt. Damit bekommt die Arbeit der Schlesische27 eine internationale Dimension. Die hier gemachten Erfahrungen werden zur Basis für die neue europaweite Jugendarbeit. Umgekehrt beeinflusst auch der „europäische Dialog“ die Projekte der Schlesischen27, die seit der Zeit auch auf europäischer Ebene einen klaren „Ost-West-Schwerpunkt“ haben.

1996 bis 2000

Ein Höhepunkt dieser Entwicklung ist 1996 die Gründung des europäischen Netzwerks „Creative Cooperations“. Im Auftrag der Europäischen Kommission konzipiert die Schlesische 27 ein Programm, das Jugendlichen in Europa die Teilnahme am „Europäischen Freiwilligendienst“ ermöglicht. Ferner steht das Jahr ganz im Zeichen der Theaterarbeit. Das Diskotheater Metropolis entwickelt neue künstlerische und kulturpädagogische Formen, die im ganzen Haus wirken: im Klub27 treffen sich 14-tägig Jungen und Mädchen zu kreativen Theaterprojekten. Diese Arbeit findet 1998 mit der Einladung zum Theatertreffen der Jugend besondere Anerkennung.

Mit einer umfassenden „Zukunftswerkstatt“ überprüft die Schlesische27 im Jahr 2000 ihre Arbeit. Interne und externe Abläufe werden neu strukturiert mit dem Ziel, noch besser auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen eingehen zu können. Dieser Prozess führt u. a. zur Erstellung eines Qualitätshandbuches und damit verbunden, zur Einführung des Qualitätsmanagements in der Schlesischen27.

ab 2001

Das Team der Künstler und Pädagogen arbeitet 2001 verstärkt an Fragen, wie langfristige Projekte künstlerischer Produktion im Gemeinwesen noch intensiver und nachhaltiger zur beruflichen Qualifizierung und Lebensplanung genutzt werden können. Mit Unterstützung des Fonds Soziokultur entsteht inVolve, ein berufsvorbereitendes Qualifizierungsprogramm für den interkulturellen Dialog.

Die Stiftung Preußische Seehandlung verleiht Christel Hartmann-Fritsch 2001 den Friedlieb-Ferdinand-Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung. Der 6. Deutsche Kinderkulturpreis des Deutschen Kinderhilfswerks geht an die Schlesische27 und Florian Fischers Buch »Des Esels zweites Ohr« mit Illustrationen aus einem Schulkurs der Schlesischen27 wird als eines der schönsten Bücher des Jahres durch die Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.
Im Rahmen der internationalen Begegnungen entstehen in den Ateliers der Schlesischen27 Kostüme und Choreographien zum Karneval der Kulturen. Diese werden als Mitglied der Formatio Sapucaiu no Samba mit dem 1. Preis ausgezeichnet

2002 feiert die Schlesische27 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist eine ausführliche Bilanzierung und Beschreibung des „Modells Schlesische27“ vorgesehen. In großer ehrenamtlicher Arbeit – unterstützt von Freunden und Förderern – entsteht eine Pilotstudie, die die Entwicklung der Schlesischen 27 dokumentiert.

Im Mai 2004 tragen junge Gäste der Schlesischen27 aus Europa Bundeskanzler Gerhard Schröder, Staatsministerin Christina Weiss und dem Französischen Botschafter Monsieur Martin ihre Thesen für ein Europa der Kulturen vor. Ihre Ausführungen unterstreichen sie mit künstlerischen Darbietungen.

Mit der Gründung des Wrangelnetz setzt die Schlesische27 weitere Akzente in Kreuzberg. Dieses Projekt verbindet Kinder- und Jugendprojekte, Kirchen, Schulen, Ausbildungsprojekte und Nachbarn. Einen besonderen Höhepunkt findet diese Zusammenarbeit mit der fête de la soupe, die 2005 zum zweiten Mal stattgefunden hat.

Fast dreißig Jahre wurde die Schlesische27 durch Christel Hartmann-Fritsch geleitet, die über diesen langen Zeitraum wesentlich das Profil des Hauses prägte. Nach ihrem Wechsel im Jahr 2009 zum Berlin-Brandenburgischen Institut  für deutsch-französische Zusammenarbeit konnte Frau Barbara Meyer  für die Geschäftsführung und die künstlerische Weiterentwicklung und Gestaltung der Schlesischen 27 gewonnen werden.

Neben den bewährten Programmfeldern  ‚zeitgenössische Kunst und kulturelles Erbe’ und ‚internationale Jugendbegegnungen‘ entwickeln sich unter ihrer Leitung neue  Schwerpunkte in den  Bereichen  ‚Kultur des Handwerks und der Arbeitswelten‘,  ‚Gesundheit, Ernährung, Kochkünste‘  und ‚selbstorganisiertes, experimentelles Lernen von Jugendlichen‘.