Lernziel: Wach mit allen Sinnen!

Die S27 – Kunst und Bildung in Berlin-Kreuzberg versteht sich als Kunstlabor für junge Leute, die die Welt verändern wollen.
Wir widmen uns seit über dreißig Jahren der künstlerischen und ästhetischen Bildung von jungen Menschen.

Basisfinanziert vom Land Berlin und unterstützt von einem engagierten Förderverein entwickeln wir in Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden aller Sparten innovative Bildungskonzepte, die auf die schöpferischen Qualitäten und kreativen Veränderungspotentiale von jungen Menschen setzen.
Als außerschulische Bildungseinrichtung haben wir mit zahlreichen Berliner Schulen, mit lokalen und internationalen Partnern aus Kunst, Kultur und NGOs eine lebendige Zusammenarbeit entwickelt.

Gerne nehmen wir dich auf einen Streifzug durch die konzeptionellen Ansätze und Programme unseres Hauses mit. Die inhaltliche Ausrichtung der S27 gliedert sich in sieben Programmfelder, die sich in den Kursen und Projekten unkompliziert und eigenwillig überschneiden:
Zeitgenössische Kunst und kulturelles Erbe • Kultur des Handwerks und der Arbeitswelten • Kochen – Feiern – Traditionen • EDI-Labor für Weiterbildung • Das Auswärtsamt, internationale Jugendbegegnungen • Ressourcen-Werkstatt Kunst, Kultur und Wissenschaften • Stadtraum und Veränderung
Rund 2000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nehmen jährlich an unseren Kreativprogrammen teil. Das Angebot reicht von temporären Workshops, einzelnen Aktionstagen über Projektwochen bis hin zu den berufsorientierenden Jahreskursen der Bildungs-Manufaktur.

Die S27 hat in den vergangenen fünf Jahren einen Schwerpunkt auf die Förderung handwerklich-gestalterischer Kompetenzen gesetzt. Unter diesem Fokus haben wir Brückenjahre in Ausbildung eingerichtet. Vielen jungen Menschen fehlen Erfahrungen mit ihren eigenen produktiven Kräften und gleichzeitig die Zuversicht, selber etwas zu Stande zu bringen – im wahrsten Sinne! So stehen experimentelle Erlebnisse mit den Sinnen und Reflexionen zu Phänomenen der Wahrnehmung im Zentrum der künstlerischen Arbeit – eine Auseinandersetzung mit Fragen der Ästhetik:
Das heißt nicht, dass wir uns in unserem alten Gewerbehaus im hippen Kreuzberg nur um pure Schönheit oder Designfaktoren kümmern, es müssen vor allem die eigenen Wahrnehmungsantennen poliert werden!
Zusammen mit KünstlerInnen tauchen wir ein in die Welten der Bilder, Klänge, der alten und neuen Schriften, Zeichnungen, Architektur…, ziehen Verbindungen zu Themen des Zusammenlebens, der internationalen Gesellschaft in unserer Stadt, der Stadt- und Landschaftsplanung, gar zu Fragen der Stadtverwaltung, des Wirtschaftens und des Recycelns, dem Neubewerten von bereits Verbrauchte

Es geht darum, mit den jungen TüftlerInnen und ForscherInnen, die in unseren Kursen experimentieren, viele verschiedene Entwürfe von „Welt“ kennenzulernen, zu vergleichen und eigene Visionen zu entwerfen:
Wie sind die Dinge zustande gekommen? Wie sind Ideen real geworden und wer wirkt mit, wenn Innovationen gefordert sind? Was musste alles entschieden werden und wer hat‘s ausgeführt, dass sich unsere Welt so abbildet, wie sie ist? Schließlich kümmert uns die Frage: wie können wir selber die Welt verändern? Geht das? Der „ErfinderKiosk“ mit Kindern aus der Roma Community, der „Rote Flohmarkt“ mit unserer türkisch-arabischen Nachbarschaft sowie das Stadt-Utopienlabor JUNIPARK im Schillerkiez sind Beispiele für illustre Forschungsprojekte, die Stadt und Stadtgemeinschaft neu denken.

In diesen Fragestellungen sind deutliche Verbindungen zur politischen Bildung angelegt, ganz bewusst betonen wir die Relevanz, notwendige gesellschaftliche Entwicklung immer in eine Balance zu ihren optionalen Erscheinungsformen zu setzen: umso mehr sind Gestaltungskompetenzen gefragt, die leider in schulischer Curricula viel zu wenig Beachtung finden.
In diesem Sinne ist Wahrnehmungsbildung unser Beitrag für das gemeinsame Unternehmen Zukunft – die Entdeckung der eigenen Kreativität ist der beste Kompass, um auch in schwierigen Lebenslagen einen eigenen Pfad zu finden.

Viele unserer jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Projekten und Jahreskursen stammen aus Familien, die großen sozialen und ökonomischen Belastungen ausgesetzt sind. In den Schulprojektwochen stammen bis zu 90% aus Familien, die nach Deutschland und Berlin zugewandert sind. Viele Kinder, auch aus deutschen Familien, werden in ihrer Bildung und Entwicklung nicht ausreichend unterstützt. Wir versuchen, einen stabilen und dennoch flexiblen Rahmen zu geben. So oft wir können, bieten wir daher im Rahmen unserer Projekte auch Lernhilfen und Deutschunterricht an.

Brücken in Ausbildung für junge Flüchtlinge

Zunehmend besuchen junge Flüchtlinge unsere Projekte und Bildungsangebote. Meist sind sie zwischen 16 und 27jährig, viele sind alleine nach Berlin gereist. Einige sind aufgrund ihres unsicheren Aufenthaltsstatus‘ immer wieder von Obdachlosigkeit bedroht. In der S27 hatten wir an kalten Wintertagen Kälteobdach eingerichtet, kontinuierlich Verpflegung und gesundheitliche Betreuung organisiert. Dies ist nur möglich durch die großartige Unterstützung von privaten Spendern, denn diese Kosten passen in keine Projektbudgets. Zusammen mit den Partnern des Flüchtlingsbetreuungszentrums BBZ und der Volkshochschule Berlin-Mitte gelingt es jedoch, die eigenen Stärken der jungen Geflüchteten zu mobilisieren und vielfach konkrete Brücken in Ausbildung zu schaffen.

Für junge Menschen, die ganz aus den Betreuungsrastern der lokalen Flüchtlingshilfen hinausfallen, müssen dringend unkomplizierte Chancenräume, kreative „Gefäße“ für Integration entwickelt werden. Dabei besteht die Herausforderung darin, den jungen Geflüchteten ihre Selbstwirksamkeit zurückzugeben und sie aus dem Opferstatus heraus zu begleiten.

Neue Bildungsräume, Ausbildungsprogramme und ökonomisch tickende Kreativbetriebe für Flüchtlinge müssen entwickelt werden: „konkrete Utopien“, die als greifbare und niedrigschwellige Angebote neue Wege eröffnen für die Zukunft.

Die S27 erprobt Modelle, die diesen Ansprüchen ein Gesicht geben, „Betriebe“, die sozusagen auf der Kippe stehen, real und wirtschaftlich zu werden: CUCULA – Refugees Company for Crafts and Design.
Neben der Möbelmanufaktur entwickelt die S27 zusammen mit jungen Flüchtlingen und Architekten der Initiative raumlabor berlin einen künstlerischen Gärtnereibetrieb, der Landschaftsgestaltung, kreative Bildung und Begegnungen mit Nachbarn im Neuköllner Schillerkiez ermöglicht. Der Friedhofsverband Berlin-Stadtmitte hat uns ein großes Brachfeld zur Verfügung gestellt, als urbanes Stadtlabor und Terra Nova. Hier wachsen neue Impulse für gesellschaftliches Zusammenleben, Bilder für die Zukunft..
Ernst Bloch hat dieses Phänomen mal „reales Abbild eines realen Vorscheins“ genannt.

Besucht uns in der S27, wir würden uns freuen!

Barbara Meyer, Leiterin der S27

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